Israelische Journalistin: Kämpft für das deutsche Heimatland

Kämpft für das deutsche Heimatland

von Orit Arfa

Hätte ich 1914 in Deutschland gelebt, hätte ich wahrscheinlich für das „Vaterland“ gekämpft. Heute klingt das für mich absurd, wenn ich bedenke, zu was dieses „Vaterland“ später geworden ist und wie der Erste Weltkrieg den Boden für den verheerenden, verbrecherischen Zweiten Weltkrieg bereitet hat, der den Großteil der jüdisch-polnischen Familie meines Vaters auslöschte.

Aber ich hätte wahrscheinlich gekämpft, weil ich heute weiß, dass Deutschland für so vieles steht, für das es sich zu kämpfen lohnt – zumindest, wenn es den Prinzipien der Aufklärung treu bleibt. Es ist nicht überraschend, dass es den verbrecherischen Abschnitt seiner Geschichte überwinden konnte und wieder eine freie, liberale Gesellschaft geworden ist. Seit zwei Jahren lebe ich nun in Berlin. Ich hatte in dieser Stadt seither ein gutes Leben, eines, für das es sich zu kämpfen lohnt. Selbst, wenn ich nicht immer sicher bin, dass Deutschland von ganzem Herzen hinter meinem Heimatland Israel steht.

Das Fin de Siècle erwies sich als ein Goldenes Zeitalter für Juden in Deutschland. … Doch schon bald zeigte das Vaterland ein anderes Gesicht.

Während im Zweiten Weltkrieg Juden getötet wurden, wurden sie im Ersten Weltkrieg als Soldaten akzeptiert – wenn auch nicht immer mit offenen Armen. Etwa 100.000 Juden haben stolz für Deutschland gekämpft. Als Patrioten. Einem Drittel wurde das Eiserne Kreuz verliehen, weitere 12.000 gaben ihr Leben für das „Vaterland“. Dennoch wurde eine Untersuchung angeordnet, die der Frage nachging, ob Juden wirklich treu an der Front gedient haben – ein Vorgeschmack auf den bevorstehenden Verrat. Die Untersuchung ergab, dass sie tatsächlich tapfer gedient hatten. Infolgedessen wurde sie nie veröffentlicht.

Das Fin de Siècle erwies sich als ein Goldenes Zeitalter sowohl für Juden in Deutschland als auch für die jüdischen Flüchtlinge aus Osteuropa, die Deutschland aufgenommen hat. Die Juden in Deutschland mussten nicht wehmütig auf ihr historisches Heimatland Israel am Zion blicken, weil der deutsche „Vater“ Staat sich um sie kümmerte und sie in einem weitläufigen, wunderschönen Land behütete, das ungeahnte Möglichkeiten für intellektuelles, spirituelles und physisches Wachstum und Wohlstand bot.

Doch schon bald zeigte das Vaterland ein anderes Gesicht. Der neue „Patriarch“, den die Mehrheit 1933 wählte, regierte mit Terror und Einschüchterung, während er den „echten“ Deutschen Sicherheit und Wohlstand versprach – Juden nicht eingeschlossen. In allen Ländern, in denen „Vater“ Hitler seine Gewaltherrschaft etablieren konnte, wurden die Kinder Israels zunächst verbannt, dann gefoltert und getötet.

Als Deutschland schließlich besiegt und zerstört war, erkannte es, dass das Vaterland zu einem betrunkenen brutalen Wilden geworden war, der mit seiner Keule alles zerschlagen hat, dessen er habhaft werden konnte. Die „Kinder“ Deutschlands wurden zu Waisen unter der Obhut von Amerika, England, Frankreich und dem gemeinen, unerbittlichen „Onkel“ Russland. Als Deutschland nach der Wiedervereinigung die Wahl hatte, wer über es gebieten solle, suchte es nunmehr keinen strengen, unnachgiebigen „Vater“, sondern eine freundliche, umsorgende „Mutter“.

„Mama Merkel“ schuf eine fürsorgliche, friedvolle Umgebung für die Kinder Deutschlands und ebenso für die Kinder Israels. Aber dann öffnete sie die Arme für die „Kinder Ismaels“, von denen manche in ihrem neuen Heim Chaos anrichteten.

Der Wandel vom „Vaterland“ zum „Mutterland“ vollendete sich mit der Wahl der ersten Bundeskanzlerin. Sie wurde zu der Matriarchin, die Deutschland niemals hatte. „Mama Merkel“ schuf eine fürsorgliche, friedvolle Umgebung für die Kinder Deutschlands und ebenso für die Kinder Israels. Aber dann öffnete sie die Arme für die „Kinder Ismaels“, die aus ihren eigenen zerrütteten „Vaterländern“ kamen. Einst lebten die Kinder Abrahams friedlich zusammen in muslimischen „Vaterländern“ – bis die Israelis unabhängig wurden. Das war der Zeitpunkt, als die Ismaeliten sich Deutschlands allseits gehassten „Vater“ zum Vorbild nahmen und auszogen, um Israel und seine jüdischen Einwohner zu vernichten.

Als hunderttausende Muslime im „Mutterland“ willkommen geheißen wurden, beschlossen deutsche „Kinder“, mit ihnen Heim und Brot zu teilen. Mädchen wurden sexuell belästigt. Manche dieser gerade adoptierten „Jungs“ richteten Chaos in ihrem neuen Heim an. Sie forderten, dass manche deutsche Speise und alkoholische Getränke nicht ausgeschenkt werden dürfen und spezielle „Kunst“ nicht gezeigt werden soll. Sie machten Mädchen Vorgaben, was sie anziehen dürfen und was nicht. Sie vergossen sogar Blut. Manche deutsche „Kinder“ hatten nun Angst, aber Mama schimpfte und bestrafte die neuen „Kinder“ nicht, wie es Papa getan hätte.

Manche nicht-deutsche „Kinder“ hatten auch Angst, besonders auch Kinder Israels, die nach langer Zeit in ihr Mutterland zurückkehrten und wieder Teil der Gemeinschaft wurden. Und manche Kinder Israels wollten nicht sagen, wie Deutschland mit den Kindern Ismaels umgehen sollte, um nicht wieder einen grausamen „Vater“ heraufzubeschwören.

Ein Heimatland wurzelt in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, es fußt auf Abstammung, Kultur und Idealen, überwindet Fehler und Tragödien und erreicht so moralische, spirituelle und materielle Erfüllung und Perfektion.

Ich lebe in diesem deutschen „Heim“ nicht nur als „Gast“, ich fühle mich als Teil der Familie, als eine Cousine, die dafür sorgen will, dass wir alle sicher sind. Ein für alle Mal. Ich möchte, dass wir miteinander kochen, spielen und uns bis in die Nacht unterhalten, wie es Familien tun. Aber ich kann keinesfalls für das deutsche „Vaterland“ kämpfen. Auch nicht für das „Mutterland“, denn das hat dafür gesorgt, dass ich mich nicht mehr sicher fühle, fast wie in Israel, wo manche Ismaeliten die Kinder Israels systematisch drangsalieren und ermorden.

Deutschland und Israel sehen sich mit ähnlichen Bedrohungen konfrontiert, also fordere ich meine deutschen „Cousins“ und „Cousinen“ auf zu kämpfen. Nicht für ein Vaterland oder Mutterland. Für ein Heimatland. Ihr Heimatland, einem Ort, der das Weibliche und Männliche zu einem Ganzen vereint, stark und ausgeglichen, denn das widerstandsfähigste Zuhause ist eines, das Vater und Mutter hat. Eines, in dem sich Vater und Mutter lieben und respektieren. Ein Heimatland wurzelt in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, es fußt auf Abstammung, Kultur und Idealen, überwindet Fehler und Tragödien und erreicht so moralische, spirituelle und materielle Erfüllung und Perfektion.

Ich würde sehr gerne weiter ruhig schlafen in Deutschland. Ich würde mich hier sehr gerne für immer willkommen fühlen, würde mich mit anderen Familienmitgliedern und Gästen verbünden, die die Schönheit des Landes sehen, die ebenso wenig die Augen vor dem Bösen aus der Vergangenheit verschließen wie vor dem Guten, das in Zukunft möglich ist. Aber die deutschen „Eltern“ müssen diese Heimat gegen Eindringlinge, Räuber und Mörder verteidigen, selbst, wenn diese behaupten, nur Schutz zu suchen. Denn es gibt nichts im Leben, das heiliger ist als ein sicheres, liebevolles Zuhause. Ein sicheres, liebevolles Heimatland.

Orit Arfa ist eine US-amerikanisch-israelische Autorin und Journalistin und arbeitet u. a. für die Jerusalem Post, das Jewish Journal of Los Angeles und JNS.org. In Deutschland wurden Texte von ihr bei Cicero, Die Achse des Guten und Fluter veröffentlicht. Ihre Großeltern sind Holocaust-Überlebende. Während ihr Vater in einem Lager für Displaced Persons in Deutschland geboren wurde, kam ihre Mutter am Vorabend der Massenauswanderung jüdischer Iraker nach Israel zur Welt. Sie hat einen B.A. in Judaistik und Journalismus von der American Jewish University und einen Master in den Fächern „Bible“ und „Jewish Thought“ am Schechter Institute of Jewish Studies. Im Jahr 2016 zog sie nach Berlin. Hier berichtet sie über die deutsch-israelischen Beziehungen. In ihrem Buch „The Settler“ erzählt sie die Geschichte einer jungen Israelin. Diese wächst in einer jüdischen Siedlung im Gazastreifen auf und muss nach der Räumung im Jahr 2005 ihr Leben in Israel neu ordnen. In „Underskin“ beschreibt sie die Liebesbeziehung einer Israelin und eines deutschen Friedensaktivisten in Tel Aviv. Mehr unter oritarfa.net

Orit Arfa und ihr Buch:

Der Artikel von Orit wurde zuerst hier veröffentlicht:

https://allgemeine-burschenschaft.de/informationen/der-burschenschafter/

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s