Top 10 Fail Momente der Berliner Jerusalem-Ausstellung

Top 10 Fail Momente der Berliner Jerusalem-Ausstellung
von Orit Arfa

IMG_9764 copyWie der Direktor des Jüdischen Museums in Berlin, Peter Schaefer, in unserem Interview für das „Jewish Journal of Los Angeles“ sagte, sucht das Museum in seinen Wechselausstellungen, wann immer möglich, nach Themen, die für alle drei großen Religionen von Bedeutung sind (man fragt sich an dieser Stelle warum es eigentlich  „Jüdische Museum“ genannt wird). Kein Thema fesselt die interreligiöse Phantasie mehr als Jerusalem, aber die Ausstellung „Willkommen nach Jerusalem“ scheint dem Museum als Plattform zu dienen um, trotz gegenteiliger Bekundungen , seine politisch voreingenommene Sicht auf Israel subtil rüberzunringen.

Als jemand, die in dieser unruhigen und glorreichen Stadt durch einige ihrer blutigsten und aufregendsten Zeiten gelebt, geliebt und geweint hat, präsentiere ich Ihnen die zehn wichtigsten Momente des Scheiterns der Ausstellung:

  1. Der Islam ist der rechtmäßige Erbe Jerusalems. Der islamische Halbmond, der den Felsendom überragt, ist das einzige religiöse Ornament auf der Broschüre des Museums und den ersten Anzeigen in der Stadt. Vergessen Sie den jüdischen Stern. Vergiss das Kreuz. In der Sektion „Die Heilige Stadt“ steht Conrad Schicks beeindruckendes Modell des Felsendoms im Mittelpunkt, flankiert von einem bescheidenen Modell der Westmauer und der Grabeskirche, das „Haram esh-Sharif“ (oder Nobles Heiligtum) dominiert.

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  1. Theodor Herzl und Yasser Arafat sind moralisch gleichberechtigt. In einem seltsamen Abschnitt über die in Jerusalem begrabenen Würdenträger werden Herzl und Arafat nebeneinander aufgeführt, als ob der intellektuelle, gewaltfreie zionistische Führer und dieser antisemitische Erzterrorist moralisch gleichberechtigt wären. Als ob die zionistische Überzeugung, die das Sumpfland in Ackerland verwandelte, der palästinensischen Sache, die Nägel und Schrauben Bombe verwandelte, ebenbürtig wäre. Nicht erwähnt wird die Rolle Arafats bei der gnadenlosen Ermordung von Juden durch Selbstmordattentate an Bushaltestellen, Cafés und Nachtclubs. Während sich Arafats Mausoleum in Ramallah befindet, schlägt das Plakat vor, dass er in Ost-Jerusalem, der zukünftigen Hauptstadt von „Palästina“, begraben werden sollte.

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8. Linke Anschauungen prägen die Ausstellung. In der letzten Halle steht eine Tafel mit Auszügen zu aktuellen Themen aus Jerusalem. Die überwiegend linken Publikationen, lassen wenig ideologische Vielfalt zu: Ha’aretz, The Guardian, New York Times, um nur ein paar zu nennen.

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7. Israel raubt Land. In einer Illustration der sich verändernden Grenzen Jerusalems wird Israel beschuldigt, die Palästinenser des Landes beraubt zu haben. Es wird behauptet: „Das arabische Ost-Jerusalem ist wegen der Sicherheitsbarriere zunehmend vom Hinterland getrennt worden“. Der Kontext dafür wird verschwiegen: Es war eine Reaktion auf die unerbittlichen, grausamen Terroranschläge gegen Israel aus  Judäa und Samaria (Westbank).

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6. Sogar Hotels werden politisiert. Eine weitere merkwürdige Ausstellung über berühmte Jerusalemer Hotels scheint geplant worden zu sein, nur um den berühmtesten zionistischen „Terror-Anschlag“ von 1946 zu zeigen, als der Irgun-Militäruntergrund einen Flügel des King David Hotels sprengte. Damals befand sich dort das britische Verwaltungshauptquartier. (Es bietet dem Museum auch die Möglichkeit, Würdenträger, die Jerusalem besuchten, mit einem wenig schmeichelhaften Bild von Trump zu porträtieren.)

 

6 top5. Es gibt nur jüdische „Extremisten“. Ein weiterer seltsamer Raum ist den jüdischen Randgruppen gewidmet: den liberalen „Frauen der Mauer“, den antizionistischen „Neturei Karta“ und den „Tempelberg-Gläubigen“, die den Wiederaufbau des Dritten Tempels anstreben, der laut Museum „den Konflikt zwischen Israel und Palästina verschärft“. Wo ist der Raum, der den weitaus zahlreicheren muslimischen Extremisten gewidmet ist, die mehr tun als nur veraltete Rituale zu praktizieren? Warum nicht einen Raum den Koranpassagen widmen, die den versuchten Mord an Yehuda Glick (heute Mitglied der Knesset), der sich für die Religionsfreiheit auf dem Tempelberg einsetzt wo der islamische Waqf das jüdische Gebet verbietet, anstachelte? Und was ist mit der terroristischen Bande, die junge drusische Polizisten niederschoss, die die Juden während der Besuchszeit der „Nicht-Muslime“ beschützten?

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  1. Verhöhnen israelischer Politiker. Neben den jüdischen „Extremisten“ platzierte das Museum eine Abbildung der israelischen Kulturministerin Miri Regev mit dem Kleid, das sie beim Filmfestival in Cannes trug, dessen Saum mit der Jerusalemer Landschaft verziert war. Daneben sind Auszüge von Kommentaren aus sozialen Netzwerken, die sie verspotten. Warum eine israelische Politikerin? Warum nicht arabische Führungspersönlichkeiten verspotten, die die Art von Antisemitismus ausspucken, dass sie Hitler stolz machen würde?

 

 

  1. Israel war eine „Katastrophe“ (Naqba). Höhepunkt der Ausstellung ist der Kurzfilm „Conflict“, der den Konflikt mit anti-israelischen Schlagwörtern beschreibt. Der unerwartete israelische Sieg von 1967 wird mit bedrohlicher, unheimlicher Musik untermalt; das Museum war eindeutig nicht glücklich darüber, dass die Juden den Selbstverteidigungskrieg gewannen, in dessen Verlauf biblische Gebiete von der illegalen Besetzung Jordaniens befreit wurden. Der Film schildert wie Hunderttausende Palästinenser während des Unabhängigkeitskrieges vertrieben wurden, und hebt das „Massaker“ der israelischen Armee hervor, das laut Film zum Symbol der „Naqba“ (wie die Araber den Sieg Israels nannten) wurde. Von den zahllosen Massakern an jüdischen Unschuldigen, die Araber schon vor der Gründung Israels begangen haben, ist kaum die Rede. Arafat taucht als „Freiheitskämpfer“ gegen die „Besatzung“ wieder auf.

 

  1. Juden sind Insekten. Die Ausstellung enthält bis auf ein Modell des herodianischen Tempels kaum historische Gebäude und selbst der scheint nicht als Hinweis auf jüdische Ansprüche auf den Tempelberg entstanden zu sein. Rund um den Tempel zeigt man dem Betrachter mit 3D-Bildern esoterische Tempelpraktiken wie Brandopfer. Man stellt Juden als primitiv dar, die Schafe für ihre seltsamen Kulte schlachteten. Aber das verstörendste ist, daß Juden und deren Wege auf dem Tempelberg durch schwarze Punkte dargestellt werden. (Wen interessiert überhaupt der jüdische Fußgängerverkehr?) Sie sehen nicht wie Menschen aus sondern wie Ameisen, die an den antisemitischen Vergleich von Juden und Insekten erinnern (siehe verlinktes Video). Jemand Lust die zu vernichten?
    https://www.youtube.com/watch?v=peBfWaoNzc0

 

  1. Jerusalem ist nur Politik. Jerusalem hat so viel mehr zu bieten als nur Konflikte. Es gibt arabisch-jüdische Koexistenz, Kultur, Cafés, köstliche Restaurants, neue Boutique-Hotels und Hostels, Studenten-Treffpunkte, Universitätsleben, wunderschöne Landschaften. In der Ausstellung entsteht kaum eine tiefe Liebe, Intimität, Empathie oder Leidenschaft für die Stadt. Daher schlage ich vor stattdessen zum Original zu gehen. Dieses Jahr in Jerusalem.

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Orit Arfa ist Journalistin und Autorin mit Sitz in Berlin. Ihr zweiter Roman Underskin ist eine Liebesgeschichte über Berlin und Tel Aviv.
Zum Bestellen: https://www.amazon.de/Underskin-English-Orit-Arfa-ebook/dp/B0752QTCBQ

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Täglich Nachrichten rund um Israel hier:
https://www.facebook.com/Freunde.Israels

 

Original erschien im Englischen und ist hier zu finden:

http://jewishjournal.com/blogs/orit-arfa/231256/top-10-fail-moments-berlins-jerusalem-exhibition-photo-essay/

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